Twist im Tanzquartier, Hiphop bei den Festwochen

HELMUT PLOEBST, DER STANDARD, 26. Mai 2013, 18:28

Anna Mendelssohns "What?" im Tanzquartier Wien.


Aufführungen von Anna Mendelssohns "What?" und Bruno Beltrãos "Crackz (Dança morta)"

Wien - Das berüchtigte Beziehungsgespräch, Schrecken aller Zweisamkeit. Anna Mendelssohn und Joep van der Geest zogen es durch: brillant und gnadenlos im TanzquartierWien bei der Uraufführung von Mendelssohns jüngstem StückWhat?.

Die tanzaffine Wiener Performerin hat damit nach ihrem preisgekrönten Solo Cry Me A Rivereine weitere virtuose Sprachchoreografie vorgelegt. Und nach "art for a lonely heart" ein zweites abgründiges Zwiegespräch, diesmal mit Van der Geest auch einem kongenialen Schauspielerpartner.

Nur einmal werden die beiden, die einander auf Stühlen gegenübersitzen, laut. Ansonsten herrscht gespannte Contenance. Der Dialog ist ein Loop, ein Tanz: Ein Mann und eine Frau hassen einander dafür, dass sie nicht voneinander lassen können. Aus ihrem intimen Wissen machen sie gnadenlose Machtpolitik. Ein Schritt vor, nachhaken, ablenken, zugreifen, ein halber Schritt zurück, loslassen, zustechen. Zu einem Psycho-Slasher dieser Art gehört auch, dass die Sprache des Gegenübers in Echtzeit durchleuchtet und sofort desavouiert wird. In atemberaubender Geschwindigkeit, kein Zögern, kein Stottern. Hin und wieder ein bisschen Musik, ein kleiner Twisttanz, machen die Atmosphäre noch unheimlicher.

Mendelssohn, die im Oktober im TQW ihre nächste Arbeit zeigen wird, und Regisseur Yosi Wanunu sorgen dafür, dass die beiden einander in diesem Toten-Twist der romantischen Liebe nichts schuldig bleiben.

             Foto: TimTom